ELIA – AUSGEBRANNT UND DOCH BEAUFTRAGT

Bibelarbeit zu 1. Könige 19 (Elia am Horeb)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

sicher sind Sie auch schon mit solch ironischen Äußerungen konfrontiert worden, dass „Ausgebranntsein und Beamtentum sich von vorne herein ausschließen“. Als ich einem Bekannten davon erzählte, welch großer Anteil der Pfarrerschaft unter „burnout“ leidet, konnte er es kaum glauben, wohl annehmend dass die Arbeit eines Pfarrers sich mehr oder weniger darin erschöpft, einmal die Woche einen Gottesdienst zu halten und den vielleicht am Samstag kurz vorzubereiten. Da war auch noch was mit Schule und Konfirmandenunterricht, aber das kann ja alles nicht so anstrengend sein mit den lieben Kindern, und wenn der Pfarrer Hausbesuche bei Gemeindegliedern macht, ist das ja eher ein Vergnügen, zumal er kulinarisch auf´s Beste versorgt wird.

 

Ich will Ihnen aber heute keinen Fachvortrag über „burnout“ halten, aber trotzdem festhalten, dass das kein neuzeitliche Phänomen ist, auch wenn heutzutage alles wie neu erfunden klingt, wenn man ihm einen englischen Namen gibt. Dass Menschen ausgebrannt und ausgelaugt durch ihr Leben gehen, das gibt es immer wieder, das sieht man diesen Menschen oft an ihrer Stimmung und ihrer Lebenseinstellung an. Und sicher kennen sie Leute, bei denen das so ist.

Dagegen gibt es unter entschiedenen Christen an dieser Stelle oft Missverständnisse. Ein Christ sollte immer gut drauf sein, erlöst wirken, weil man ja dem Erlöser der Welt sein Leben anvertraut hat. Wenn meine Jugendmitarbeiter in meiner Gemeinde – die im EC Jugendbund zu Hause sind- zu Gruppen und Kreisen und Veranstaltungen unter unseren Konfirmanden einladen, dann oft mit Aussagen wie „Mit Jesus zu leben macht mich zu einem fröhlichen Menschen!“ Ich bin oft begeistert über das Engagement dieser jungen Mitarbeiter. Die Sache hat aber doch einen kleinen Haken. Unter der Hand vermitteln wir oft ein Wohlfühlchristentum mit dem falschen Umkehrschluss, wer sich in seiner christlichen Existenz nicht immer wohl fühlt, hat ein Problem.

 

Genug der Vorrede! Die Bibel vermittelt uns oft ein anderes, überraschendes Bild von Menschen, die gläubig sind. Sie zeigt uns die vielen Dimensionen des „Lebens mit Gott“, viele Schattierungen des Glaubenslebens, die bei Menschen des Alten und Neuen Testaments vorkamen und die heute vorkommen. Deshalb ist es für mich immer wieder Interessant, auf den Propheten Elia zu schauen, Paradebeispiel eines Mannes, der die Höhen und Tiefen eines Glaubenslebens durchgemacht, durchlebt und durchlitten hat.

Elia – ein Prophet, mal ganz oben und mal ganz unten. Welch ein Höhepunkt in seiner Karriere, als er da oben auf dem Karmel stand und Gott seine Macht zeigte, als die Baalspriester von Extase zu Extase verfielen und doch nichts passierte, was auf die Macht ihres Gottes hindeuten könnte, und als dann das Gebet Elias reichte, um ein Wunder Gottes zu bewirken und all die Baalspriester zu Lügnern und zu Scharlatanen zu erklären. Wie wir uns doch vielleicht in unseren Kirchen und Gemeinschaften nach solchen Zeichen Gottes sehnen würden, danach, dass mehr passiert auf unserer Welt durch die Macht Gottes und nicht scheinbar andere Mächte die Oberhand im Lauf des Lebens der Welt bekommen. Wie wir uns doch danach sehnen würden, dass Gottes Worte und Gebote in unserer Gesellschaft eine größere Rolle spielen würden und nicht immer weiter an den Rand gedrängt werden in einem Land, dessen Verfassung sich einmal auf die christlichen Grundwerte bezogen hat und das darauf aufgebaut werden sollte.

 

Aber denken wir nicht: „Früher war alles besser, gläubiger oder christlicher!“ Denn nach diesem Höhepunkt der Gotteserfahrung auf dem Karmel musste ja Elia fliehen. Kein Wort davon, dass die Begeisterung über dieses Wunder, dass Gott Feuer vom Himmel auf das Brandopfer Elias sandte, nun ganz Israel und den König Ahab und die Königin Isebel zum Glauben an den einen, unsichtbaren Gott führen würde. Keine Rede davon, dass der Prophet nun auf Händen getragen würde und zu großem Ruhm in Israel gekommen wäre. Das Gegenteil ist der Fall: Elia muss fliehen. Auf seiner Flucht begegnen wir ihm heute und wollen mal sehen, was diese Zeit.

Ich möchte in einzelnen Schritten den Weg des Elia mit ihm und mit ihnen gehen und möchte versuchen heraus zu spüren, wo sein Weg dem unseren heute ganz nahe sein kann.

 

1. Der geistliche Höhepunkt führt zur Flucht (V.1-3)

Gerade noch hatte der Prophet dieses Erfolgserlebnis auf dem Karmel. Doch mit dem Boten der Königin folgt die schlechte Nachricht. Andere können seinen Gott durch das Wunder hindurch nicht sehen. Trotz des Wunders bleibt Gott verborgen. Trotz gewaltiger Zeichen will sich das Böse nicht bezwingen lassen. Trotz guter Argumente glauben Menschen nicht an Gott.

Als meine Jugendmitarbeitern wie schon erwähnt meine Konfirmanden besuchten und begeistert von ihrem Glauben erzählten, fragte ich die Konfirmanden, was sie davon halten. Da sagte einer: „Das klang sehr überzeugend, was die gesagt hatten, aber für mich ist es trotzdem nichts.“ Haben Sie Ähnliches vielleicht auch schon erlebt? Sie treffen am Arbeitsplatz auf Menschen, die wissen, dass Sie gläubig sind. Manches bewundert man an Ihnen und Ihrem Leben. Aber letztlich sagen andere: „Für dich mag dieser Glaube o.k. sein, aber für mich ist´s nichts!“ Isebel und Ahab waren sozusagen beratungsresistent im biblischen Sinne. Und Elia wird trotz der Wunder Gottes zum Verfolgten. Da breitet sich die Gegenmacht Gottes aus auf den Höhepunkten unseres Glaubenslebens. Da lässt die Anfechtung nicht lange auf sich warten, je erfolgreicher sich Gottes Wort ausbreitet – bis auf den heutigen Tag. Ich wundere mich manchmal, wie viele Widerstände in der Gemeindearbeit sich auftun, wenn Dinge erfolgreich laufen. Das ist dann die Stunde der Bedenkenträger, die gleich immer Einwände um Einwände bringen, wenn es darum geht, nach vorne zu schauen, Neues zu wagen, Menschen neu auf ihren Glauben anzusprechen. Mir scheint es immer schwieriger zu werden, z.B. missionarische Aktionen durchzuführen, weil da immer jemand mit irgendwelchen diffusen Bedenken kommt.

Aber Elia hat hier wohl gerade sowieso keinen Blick für weitere missionarische Aktionen. Ihn befällt die Angst, trotz dem, dass Gott doch gerade so Großes bewirkt hat. So nah sind Angst und Glaube oft beieinander. Und ich meine, wir brauchen uns dafür nicht zu schämen, wenn sogar so ein exponierter Gottesmann es mit der Angst zu tun bekommt. Ob er wohl geflohen ist mit dem Wissen um das Wunder, das Gott getan hat! Ob ihn das wohl getragen hat auf seiner Flucht, als er um sein Leben rannte. In schweren Zeiten meines Glaubens nehme ich mir gerne das Psalmwort innerlich zur Hand: „Lobe den Herrn, meine Seele! Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Was hatte wohl Elia innerlich in seinem Gepäck auf dem Weg nach Beersheva und dann weiter in die Wüste? Was nahm er mit in die Wüste seines Lebens?

 

2. Die Wüstenzeit (V. 4-5)

Nun lesen wir davon, wie Elia immer weiter geht. Hier wird ein Krankheitsbild deutlich, eine typische Depression. Lange Zeit hat man es im christlichen Bereich nicht ernst genommen, dass gläubige Menschen in Depressionen verfallen können. Heute wissen wir mehr. Und auch bei Elia tritt dieses Krankheitsbild auf. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass er Todessehnsucht hat. Völlig ausgebrannt sitzt er da unter dem Wacholder. Der Weg zurück scheint versperrt und nach vorne geht es auch nur weiter in die Wüste. Welch eine Ausweglosigkeit! Das sind doch die schlimmsten Momente in einem Leben, wenn man keinen Weg mehr sieht. Mir kam der Liederdichter Jochen Klepper in den Sinn, der im Dritten Reich, verheiratet mit einer jüdischen Frau, geradezu in den Selbstmord getrieben worden ist, weil er keinen Ausweg mehr für sich sah, wie er weiter leben konnte, wenn er seine Frau hergeben musste.

Trotzdem ist Elia in all seiner Todessehnsucht offenbar noch fest in den Händen seines Gottes. Er betet ja zu Gott, wenn er um das Sterben bittet. Gott soll seinem Leben ein Ende setzen. Gott soll ihn erlösen aus seiner Dunkelheit und dem Schrecken seines Lebens. Auch im Sterben will er sich in Gottes Hand fallen lassen. Ob da schon das Gebet Jesu durchscheint: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“? Ob da schon eine Ahnung des Propheten davon ist, dass man doch nicht tiefer fallen kann, als in Gottes Hände, dass da einer ist, der Leben und Sterben in seiner Hand hält? Ob der Prophet schon in Zeiten des Alten Testaments ein Gespür dafür hat, dass am Ende des Lebens mit Gott nicht alles aus ist? Jener Prophet, der später den feurigen Wagen in den Himmel bestieg, jener Prophet, dem die Jünger Jesu auf dem Berg Tabor eine Hütte bauen wollen! Aber hier sind wir noch in seiner Wüstenzeit. Hier fällt Elia in einen Schlaf, von dem er sich wünschte, dass er in den Tod mündet. Hier sind wir am Tiefpunkt einer Geschichte eines Menschen mit Gott.

Aber an diesem Tiefpunkt steht schon der Engel Gottes bereit. An diesem Tiefpunkt beugt Gott selber sich herab zu denen, die am Boden liegen und will sie aufrichten. Am Tiefpunkt eines Lebens ist unser Gott niemals weit weg. Das will uns diese Geschichte auch zeigen. Das will sie uns an unser Herz legen. Und das gilt für meine und für Ihre Tiefpunkte. Wie viele Menschen habe ich schon getroffen, die an den Tiefpunkten ihres Lebens überhaupt erst angefangen haben, an Gott zu denken. Und Elia war da schon viel weiter. Er hatte Erfahrungen mit Gott gemacht. So lässt er sich vom Engel Gottes ansprechen. Er hat Gott ja niemals verlassen, auch nicht als er sterben wollte. Elia lässt sich wieder neu anrühren von Gott und bleibt in seiner Depression immer noch offen für Gottes Wirken an ihm.

 

3. Der Neuanfang (V.6-8)

Da lese ich nun in der Elia-Geschichte davon, wie es am Tiefpunkt des Lebens des Propheten wieder nach oben geht. Elia bekommt allmählich neuen Lebensmut. Und das Schöne, wenn ich die Geschichte lese, ist, dass das alles nicht sofort und plötzlich geht. Das ist ein Genesungsprozess, den wir da miterleben. Wir wissen ja, wie lange Genesung oft dauern kann. Das Gesundwerden braucht nicht nur gute Ärzte und gute Medikamente, sondern auch die nötige Zeit. Und das steht schon hier an dieser Stelle in der Bibel. Das erlebt schon Elia so. Mit einem Mal Aufstehen ist es noch nicht getan. Oft muss ich in meinem Leben immer wieder aufstehen bis etwas endlich verheilt ist. Ich denke da auch an so manche innere Wunden, die oft ein Leben lang weh tun, die heilen und doch wieder aufbrechen, die vernarbt scheinen, aber dann werden die Narben brüchig. Gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen ist es doch oft so. Gerade da erleben wir doch oft Rückschläge. Der ewige Streit scheint beigelegt, dann braucht es aber nur eine Kleinigkeit, bis er wieder ausbricht. Man müht sich lange um Versöhnung und Vergebung und dann ist es ein kleines Wort, das alles wieder zunichte macht. Elia fällt nach seiner ersten Stärkung wieder in den Schlaf.

Aber Gott hat Geduld. Gott hat immer wieder Geduld, mit Elia, mit Propheten, mit einfachen Leuten, mit Gläubigen und Leuten, die davon laufen vor ihm, also mit dir und mir, mit meinem und mit deinem Leben. Gott hat Geduld und schickt seine Engel, wenn es sein muss ein zweites Mal, und ein drittes und ein viertes…. Gott hat Geduld mit uns, so viel, dass er lange nach Elia Jesus in diese Welt geschickt hat, seinen eigenen Sohn, weil er mit der Menschheit unendlich viel Geduld gehabt hat, trotz aller Schuld und allen Widerstandes der Menschen gegen ihn und sein Wort. So bin ich sicher, dass er heute noch Geduld hat, bei allem, was wir falsch machen oder seine Kirche falsch macht. Ich bin sicher, dass er heute immer noch Menschen wach rüttelt und sagt: „Steh auf!“ Und das, weil er mit uns etwas vorhat. Der Engel sagt Elia, dass noch ein weiter Weg vor ihm liegt – ein Weg mit dem lebendigen Gott. Dafür rüstet er ihn aus mit dem, was der Prophet braucht. Und das genügt dem Elia. Das ist nicht Überfluss, aber es genügt – gerade für das Stück des Weges, das er gehen muss. Oft gibt Gott uns auch nur so viel, wie wir brauchen. Vielleicht sehnen wir uns manchmal nach den großen geistlichen Erfahrungen, aber dann bleibt vieles so im Normalbereich. Da sehe ich keine großen Zeichen, aber Gott erhält doch meinen Glauben. Und ich muss lernen: Das reicht. Das ist schon genug an Gnade. Das reicht für meine nächsten Schritte, das reicht, um mich ein Stück weiter zu tragen, nicht in den Himmel der Euphorie, aber immerhin zum Horeb in der Wüste meines Lebens, dort, wo Mose vor Gott gestanden ist und auch nicht alles von ihm sehen konnte, sondern nur seine Gebote und den Bund in Empfang nehmen konnte. Aber bis dorthin reicht es. Bis dorthin ist es genug, was der Engel dem Elia mitgibt. Mehr braucht es ja auch nicht, denn Gott will den Elia am Horeb haben und nicht im Garten Eden. Dort will er ihn haben als seinen Diener, mit dem er etwas vorhat.

 

4. Die Begegnung mit Gott am Horeb(V.9-14)

Und da kommt er nun auch an, unser Prophet. Mit Gottes Hilfe sozusagen erreicht er sein vorläufiges Ziel. Und wieder ist der Horeb oder Sinai der Ort der Gottesbegegnung. Wieder spricht Gott hier in besonderer Weise zu einem Menschen. Wir haben es ja in der evangelischen Kirche nicht so mit den heiligen Orten, aber der Horeb ist doch so ein besonderer Ort, weil da Besonderes geschieht, ist Heiliger Ort, weil der heilige Gott sich da einem Menschen zeigt und damit in das Geschehen der Welt eingreift.

Und dann gibt Gott hier am Horeb Elia und uns mit ihm eine Lehrstunde über sein Wesen. Wie stellen wir uns Gott eigentlich vor? Welches Bild haben wir denn von ihm? Sicher, offiziell sind Bilder von Gott verboten, aber innere Bilder haben wir doch alle, oder sagen wir: Wir haben unsere Vorstellungen von Gott. Und Elia hatte seine Vorstellungen von Gott. Das war sicher die Vorstellungen vom gewaltigen Gott, dem Gott, der große Wunder tut und die Baalspropheten zermalmt mit seiner mächtigen Hand, dem Gott, der auf seiner Seite war, der Vieles bewegt hat, so wie er am Horeb die Elemente und die Berge bewegt in großen Naturschauspielen. Den großen Gott, den Herrn der Herrlichkeit, den Gott Zebaoth, Herr der Heerscharen erwartet Elia vielleicht. Auf welchen Gott warten wir eigentlich? Doch manchmal auch auf diesen, der mit starker Hand hilft und eingreift, vielleicht die schwere Krankheit besiegt oder mich durch das Leben trägt als einen, dem alles gelingt und der von den Menschen bewundert wird, sein Leben immer gut bewältigt und vor Lebenskraft strotzt, immer gesund und fitt ist und hoch angesehen bei den Menschen seiner Umgebung. Welchen Gott erwarten wir in unserem Leben, welchem Gott möchten wir begegnen? Doch oft dem, der unser Leben und Tun bestätigt, unseren Vorstellungen entspricht, unser Handeln vielleicht bestätigt oder legitimiert, dem Gott, dem ich alles sagen kann, aber der mir nicht allzu viel sagen sollte, nicht allzu viel ins Handwerk meines Lebens eingreifen sollte. Der starke Gott erscheint uns doch oft attraktiv, verbunden mit der Vorstellung, dass er ja immer an meiner Seite ist und nicht auf der Seite der Menschen, mit denen ich nicht auskomme.

Und doch war damals Gott nicht in diesen gewaltigen Naturereignissen, die an Elia auf dem Horeb vorüber zogen. Doch war Gott nicht in jenen dramatischen Ereignissen, die Elia begegnen. Nein, Elia entdeckt ihn in dem unscheinbaren, stillen, sanften Sausen, in dem, was von außen nicht so gewaltig wirkt. Gott in der Stille suchen – ist das vielleicht der Hinweis aus der Geschichte. Zumindest nicht auf den belebten Marktplätzen der Welt, nicht auf den Märkten der Möglichkeiten dieser Welt. Wie oft ist Jesus nach seinen großen Wundern und Taten in die Stille entwichen anstatt Macht zu demonstrieren? Wie hat er doch seinen Jüngern eingeschärft, dass so manches, was sie erlebt haben mit ihm, im Verborgenen bleiben muss, zumindest eine Zeit lang. Gott will wohl seine Geheimnisse nicht an die große Glocke der Weltgeschichte hängen, sonst wären sie keine Geheimnisse. Gott will dort wirken, wo es des Glaubens bedarf, um ihn zu erkennen. Gott wirkt manchmal im Untergrund und im Hintergrund. Im Iran – so hörte ich vor Kurzem – gibt es wohl eine ganze Anzahl von christlichen Gemeinden im Verborgenen, die wegen der Verfolgungssituation nicht auftauchen dürfen. Und von dort wird berichtet, dass viele dazu gekommen seien, weil Gott ihnen in Träumen erschienen sei, sie Jesus gesehen hatten in Träumen, obwohl sie nichts vom christlichen Glauben gewusst hatten. Aber Elia sieht offenbar Gott im stillen, sanften Sausen. Er sieht ihm und klagt ihm sein Leid und trifft auf Gottes offenes Ohr. Gott sieht seine Verzweiflung sein ausgebranntes Prophetenleben und begegnet ihm dort ganz ohne Getöse in der Stille der Wüste.

Ich frage mich, ob wir solche inneren Wüstenzeiten nicht dringend für unser Glaubensleben brauchen, ob es immer so gut ist immer nur weiter zu machen auch in unserer christlichen Betriebsamkeit. Ich kenne so manche kirchlichen Mitarbeiter, die mir so erscheinen, als ob sie vor lauter kirchlicher Betriebsamkeit die Begegnungen mit Gott ein wenig aus den Augen verloren haben. Das klingt vielleicht ein wenig hart, da man ja Menschen mit Engagement in den Gemeinden braucht. Aber dort, wo Gemeinde zum Verein wird, ist das geistlich gefährlich. Die Wüstenzeit Elias hilft ihm, Gott in der Stille zu begegnen. Seine Auszeit trägt zu einer neuen Gottesbeziehung bei, die eine neue Qualität hat. Und nun können Sie selber Ihr Leben, Ihr Engagement, Ihren Glauben und Ihre Arbeit am Reich Gottes Revue passieren lassen und mit Ihrem inneren Auge schauen, wo Sie gerade stehen, was für Sie gerade hilfreich wäre, um Gott neu zu begegnen, neue Impulse zu bekommen. Vielleicht einmal intensiv schauen, ob Gott nicht einen anderen Weg für Sie geebnet hat als den, auf dem Sie schon immer gegangen sind, vielleicht neue Menschen im Umfeld entdecken, vielleicht neu offen werden für Gott im Gebet mit neuen Formen oder Zeiten des Gebets, vielleicht bereit sein, sich von Gott überraschen zu lassen mit Dingen, mit denen ich nicht gerechnet haben, vielleicht auch entdecken, wie wichtig Dankbarkeit sein kann für das was Gott schenkt. Kommen wir zu meinem letzten Abschnitt:

 

5. Der neue Auftrag für Elia(V.15-18)

Nun kommt die Geschichte zu ihrem vorläufigen Ende. Die Begegnung Elias mit Gott führt zu einem neuen Anfang. Wohl gemerkt zu einem neuen Anfang. Elia wird nicht zurück geschickt, sondern an einen anderen Ort geschickt. Er wird nicht zurück geschickt, um die Sache mit Isebel endgültig zu klären, sondern es kommt etwas ganz anderes.

Bei mir in der Gemeinde überlegen wir auch oft die nächsten Schritte für unser Gemeindeleben, überlegen, wer wo in welchem Bereich mitarbeiten könnte. Und da fällt mir auf, dass die Vorschläge oft sehr rückwärts orientiert sind: „Wer hat früher schon mal was gemacht?“ – „Wen können wir wieder einsetzen?“ – „Was können wir wieder beleben, was es früher einmal gab?“ Kurz: Wie können wir das Alte zurück holen und ein bisschen aufpäppeln, so dass die guten alten Zeiten wieder zurück kehren (Ich karikiere etwas!). Aber so handelt Gott nicht. Elia muss nicht nach Israel, sondern nach Damaskus. Das ist etwas ganz anderes. Das ist ein neuer Weg, nicht der alte zurück. Das ist eine neue Lebensrichtung. Und nur so geschieht Neuanfang für den geistlich ausgebrannten Elia.

Nur so, liebe Schwestern und Brüder, kommen wir aus unseren Niederlagen und Beklemmungen heraus, indem wir uns von Gott auf neue Wege schicken lassen und nicht die alten zurück gehen wollen in der Meinung, wenn ich zurück gehe und an dem Punkt, wo es schief ging wieder neu anfange, dann wird es schon.

Aber das Tröstliche an der Sache ist, Elia geht die neuen Wege mit neuen Verheißungen. Wo er meinte und zu Gott sagte, er wäre alleine übrig geblieben in Israel unter den Gläubigen, da verheißt ihm Gott, dass es 7000 geben wird, die ihre Knie nicht vor den Baalen beugen. Das ist nicht viel auf´s Ganze gesehen, aber es ist viel mehr als Elia je erwarten konnte. Und so wird Gott auf den neuen Wegen neue Verheißungen schenken, neue Kraft geben, damit Neuanfänge gelingen können, für die, die an ihm festhalten wie Elia.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Michael Karwounopoulos/19. Oktober 2013/Korntal